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Die Mehrheit der Freiburger ist unzufrieden mit der Baupolitik

Baupolitik-Freiburg

Eine Mehrheit der Freiburger ist unzufrieden mit der Baupolitik in ihrer Stadt. Das ist ein Ergebnis der Bürgerumfrage 2014, die jetzt veröffentlicht wurde. Während in der Berichterstattung dazu die Überschriften suggerieren, es herrsche große allgemeine Zufriedenheit, liest man erst am Ende der Artikel, womit die Befragten unzufrieden sind.

Die vor allem von den Grünen, der CDU und den Freien Wählern im Gemeinderat sowie vom Oberbürgermeister Dr. Salomon und Baubürgermeister Prof. Haag intensiv propagierte Nachverdichtung in der Stadt wird in der Bürgerumfrage von einem großen Anteil der Bevölkerung (38 %) der Befragten abgelehnt; 30 % sind dafür, ein Drittel hat keine Meinung dazu.

Große Unzufriedenheit herrscht auch bei den Parkmöglichkeiten in der Innenstadt (37 %); und zwar sowohl für Autos als auch für Fahrräder. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wer seine Kinder oder ältere Menschen schon mal zum Freiburger Hauptbahnhof bringen wollte, damit diese rechtzeitig und gefahrlos ihren Zug erreichen, der weiß, wovon gesprochen wird.

Eine besonnene Planung, welche die Anliegen der BürgerInnen wie auch ökologische Notwendigkeiten berücksichtigt, ist dringend erforderlich.

Städte für Menschen, nicht für Architekten

„Liveable cities for the 21st century“, also: „Lebenswerte Städte für das 21. Jahrhundert“, so lautete der Titel eines Vortrags, den der Kopenhagener Architekt und Städteplaner Jan Gehl im Winterer-Foyer des Freiburger Theaters hielt. Der Vortrag enthielt viele Appelle, die sich Städteplaner zu Herzen nehmen sollten.

Zentrale Aussagen in Gehls Vortrag: „Architektur muss für die Menschen da sein, Städte müssen für die Menschen da sein, nicht für Stadtplaner und Architekten.“ So fragt er ganz offen: „Warum interessieren sich Architekten nicht für den Menschen, sondern nur für Formen.“ Stadtplaner und Architekten sollten nicht vom Hubschrauber aus planen, sondern müssten dies aus der Perspektive der in der Stadt lebenden Menschen tun.

Eindringlich appellierte er für einen Paradigmenwechsel hin zu lebenswerten, nachhaltigen und gesunden Städten. In diesem Zusammenhang wiederholte er eine Binsenweisheit, die aber nicht bei allen Stadtplanern angekommen zu sein scheint: „Zusätzliche Straßen ziehen zusätzlichen Verkehr an!“ Und mit Blick auf den Augustinerplatz ließ eine Bemerkung aufhorchen: „Lärm in belebten Innenstädten muss organisiert und geregelt werden.“ Speziell zu Freiburg meinte er: „What you need is a city police.“

Den Appellen von Jan Gehl für mehr Bürgerbeteiligung und eine „lebenswerte Stadt“ kann Freiburg Lebenswert/Für Freiburg nur zustimmen!

Keine Wohnungsnot?

Bis vor kurzem wussten Stadtverwaltung und BM Prof. Haag nicht, wie viele Wohnungen in Freiburg pro Jahr gebaut werden. Nun hat man herausgefunden, dass von 2011 bis 2014 im Schnitt 900 Wohnungen pro Jahr zusätzlich auf den Markt kamen und den Bedarf völlig abdecken. EBM Otto Neideck (CDU) meinte laut Stadtkurier, dass “damit (..) etwa so viel neue Wohnungen hinzukommen, wie die Bevölkerung zunimmt”. OB Salomon vergleicht die Wohnbauaktivitäten in Freiburg gern mit Hamburg, wo ebenfalls preiswerter Wohnraum fehlt. Was dort neu gebaut wird, würde auf Freiburg berechnet einen jährlichen Bedarf von ca. 750 neuen Wohnungen bedeuten. Baut Freiburg also plötzlich genügend Wohnraum?

Der Bürger reibt sich erstaunt die Augen und fragt sich, was los ist: Günstige Wohnungen sind trotz 900 neuer Wohnungen kaum zu finden. Es bleibt zu hoffen, dass der kürzlich gefasste Gemeinderatsbeschluss, 50% der neuen Wohnungen müssen „Sozialwohnungen“ sein, hier Abhilfe schaffen wird. Aus verschiedensten Richtungen der Bauwirtschaft, Fachanwälte und Investoren hört man nach anfänglicher Kritik plötzlich Zustimmung zu dem Beschluss.

Zweifellos herrscht in Freiburg großer Mangel an preiswertem Wohnraum. Teure Neubauten können das Problem nicht lösen. Nötig ist vor allem der Einsatz von Mitteln aus dem städtischen Haushalt. Der oben erwähnte Beschluss des Gemeinderats ist nur ein Baustein, um das große Problem zu lösen.

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